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Hoher Besuch bei PUZZLE! In dieser Folge sprechen Hannah und Hannah mit Martin Wunsch, dem Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, über die Herausforderungen und Chancen im bayerischen Bildungssystem. Wir gehen den Fragen nach, was das Kultusministerium eigentlich alles aus den Schulen mitbekommt, wie Veränderung im System Schule aussehen kann und wo man beim Referendariat nachjustieren könnte. 

Wir diskutieren, warum es keine einfachen Lösungen für die komplexen Herausforderungen im Bildungssystem gibt und kommen trotzdem zu einem konstruktiven gemeinsamen Ausblick.

Anfang 2024 übernahm Martin Wunsch den Posten des Amtschef des bayerischen Ministeriums für Unterricht und Kultus, kurz Kultusministerium. Ab 1999 war Wunsch Lehrer für Englisch und Französisch am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching und wechselte dann 2003 ans Kultusministerium. Seitdem arbeitete er am Kultusministerium und an der Ludwig-Maximilians-Universität unter anderem in den Themenbereichen moderne Fremdsprachen, Erwachsenenbildung, gymnasialen Oberstufe und Lehrkräfteausbildung mit. Seit einem Jahr bekleidet der gelernte Lehrer nun das höchste Amt unter der Kultusministerin Anna Stolz.

Martin Wunsch im Podcast PUZZLE: Wer entscheidet über Veränderung im Bildungssystem? Der Amtschef des bayerischen Kultusministeriums im Interview mit Hannah und Hannah. Im Hintergrund bunte Puzzleteile und Kreidezeichnungen auf grüner Schultafel.

Der Grund, warum Dinge nicht so schnell geändert werden, liegt in der Natur des Schulsystems. Das Bildungssystem ist ein kompliziertes System, das vielfältige Interessen unter einen Hut bringen muss – ”Einfache Lösungen gibt es in der Regel nicht.” Darüber hinaus muss das Kultusministerium als Teil der Regierung Entscheidungen treffen, “die auf Akzeptanz stoßen”. Dennoch können die verschiedenen Akteure des Bildungssystems aber Veränderung selbst in die Hand nehmen. 

Wie jede unserer Folgen begannen wir auch das Interview mit Herrn Wunsch mit der Frage, was für ihn das schönste Erlebnis im Kontext Schule gewesen sei. Neben den Leistungskursen in Französisch, mit denen er seine Schüler forderte, aber auch förderte, blieb ihm vor allem Tiberio in Erinnerung, ein Schüler mit Migrationshintergrund der Dank des Einsatzes von Martin Wunsch und anderen Kollegen über den Gastschülerstatus bis zum Abitur gefördert werden konnte. 

Die Integration und Inklusion dieser Schüler mit beschränkten Deutschkenntnissen sieht der Amtschef als eine der größten Herausforderungen in Deutschland an, die Aufgabe aller Schularten sei. Auf die Frage, ob Integration auch eine persönliche Vision von Wunsch sei, antwortete dieser, er sei mit “mit großen Visionen da immer etwas skeptisch”. Es gehe nicht darum, persönliche Visionen umzusetzen, sondern Dinge zu ermöglichen, die mehrheitsfähig sind. 

Das Schaubild erhebt nicht den Anspruch, vollständig systematisch darzustellen, wie Willensbildungs- bzw. Entscheidungsprozesse in der Bildungspolitik erfolgen. Im Interview hat Herr Wunsch einige ausgewählte Beispiele dafür genannt, wie man sich als junge Lehrkraft für Veränderungen einsetzen kann. Es handelt sich um einen von PUZZLE e.V. vorgenommenen Visualisierungsversuch der mündlichen Ausführungen und nicht um ein vom Staatsministerium erstelltes oder autorisiertes Dokument.

Als Referendarinnen haben wir inzwischen einige Schulen gesehen und bekommen immer wieder mit, dass der Frust bei Lehrkräften über das Schulsystem und vor allem das Kultusministerium teils enorm ist. Daher konnten wir uns die Frage, was das KM von der Frustration seiner Lehrkräfte mitbekommt, nicht nehmen lassen - und erlaubten uns zudem die Frage, ob das Ministerium etwas wie einen Kummerkasten habe. Zur Überraschung einiger meinte Wunsch, es bekäme von der negativen Kritik recht viel mit, es bestehe “eher die Gefahr, dass das bei uns nicht ankommt, was alles gut läuft im bayerischen Schulwesen”. Für den Austausch zwischen Schulen und Ministerium gibt es systemisch vorgesehene Möglichkeiten, zum Beispiel über die Schulaufsicht, Schulleitertagungen oder sonstige Dialogveranstaltungen. 

An Schulen und vor allem im eigenen Klassenzimmer haben Lehrkräfte sehr viele Spielräume – ”Veränderung [fängt] nicht in irgendwelchen Gremien an, sondern schon im Klassenzimmer”. Wie Änderungen in größerem Rahmen aussehen können, macht Martin Wunsch anschließend anhand des Beispiels von koedukativen Sportunterricht deutlich. Die wichtigste Botschaft: Menschen hinter sich und der eigenen Idee versammeln und über Berufsverbände gehen. 

Kritikfähig zeigt sich das Kultusministerium in Form von Martin Wunsch auch in Bezug auf den Lehrkräftemangel. Laut Wunsch mangelt es in Bayern nicht an Ressourcen – sondern ähnlich wie in anderen Bereichen der Wirtschaft – an Köpfen. Die verschiedenen Zusammenhänge, die für den erhöhten Bedarf an Lehrkräften gesorgt haben, machen es schwierig, die Versorgung immer zu decken. Wunsch hebt aber hervor, dass das KM jedes Jahr aufs Neue versucht, mit gegensteuernden Maßnahmen den Bedarf an Lehrkräften zu decken. 

Relevant ist für den Lehrkräftemangel auch das Referendariat, über das immer wieder Horrorgeschichten kursieren. Vor einigen Wochen erst waren wir im MZL Café des Münchner Zentrums für Lehrkräftebildung der LMU München. Dort berichteten Absolventinnen und Absolventen, dass sie aus Sorge vor dem Ref und den Ortszuweisungen den Dienst gar nicht erst antreten und entweder in die Wirtschaft gehen, oder ohne 2. Staatsexamen an Schulen im Angestelltenverhältnis unterrichten. Wunsch hält mit Überzeugung fest: “Strukturell ist das Referendariat eine wahnsinnig gute Idee”. Er sieht jedoch auch, dass Verbesserungen notwendig sind. Die digitale Zuweisung der Dienstorte soll jedenfalls bald auch für alle Schularten kommen – und auf die Heimatverbundenheit der aktuellen Generation müsse sich das Ministerium als Arbeitgeber auch einstellen. 

Zum Schluss verrät uns Martin Wunsch noch, was ihm Hoffnung macht.

Was genau das ist und viele weitere Details, zum Beispiel über Veränderungsprozesse im Schulsystem, den Zusammenhang von Politik und Bildung, über Lehramtsbotschafter oder das erste Staatsexamen, erhaltet ihr in der neuesten Folge von PUZZLE. 

Die Folge ist in ganzer Länge überall verfügbar, wo ihr Podcasts hört, beispielsweise auf Spotify, Apple Podcasts oder im Webplayer. 

Viel Spaß und gute Erkenntnisse beim Hören

Hannah und Hannah

aktuelle Folge

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Folge 1.5: Amtschef Martin Wunsch,
wer entscheidet über Veränderungen im Bildungssystem?

Folge 1.3: Simone Fleischmann,
wofür lohnt es sich, Lehrkraft zu sein?

In dieser Folge sprechen wir mit Simone Fleischmann, der Präsidentin des bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Sie verrät uns, warum “A13 für alle” eine Revolution für das Schulsystem ist, welche poitische Herangehensweise es in der heutigen Zeit braucht, um Schule zu gestalten, und warum es sich lohnt, Ziele zu setzen, auch wenn man deren Erreichung vielleicht nicht mehr selbst miterlebt. “Lehrkraft sein ist der schönste Beruf, wenn…” - auch diesn Satz beendet Frau Fleischmann für uns und gibt konkrete Ideen, wie man etwas im System Schule bewirken kann. Simone Fleischmann teilt mit uns ihre schänsten Erlebnisse als Lehrerin und Schulleiterin, reflektiert über den Lehrermangel und die Notwendigkeit, den Lehrerberuf attratkiver zu gestalten.

Mehr dazu findest du auf der Homepage des BLLV auf Instagram und auf Facebook.