Warum Haltung, Beziehung und Mut wichtiger sind als perfekte Planung
In dieser Folge von PUZZLE sprechen Hannah und Hannah mit Sara Dahme über Unterrichtsqualität jenseits von Checklisten, Verlaufsplänen und Bewertungsschemata. Sara ist Kunstlehrerin am Gymnasium, Kulturvermittlerin, politisch engagiert und bekannt für ihre kreativen, projektorientierten Lernformate.
Im Gespräch wird schnell klar: Für sie entsteht guter Unterricht nicht aus minutiöser Planung, sondern aus Beziehung, Aufmerksamkeit und Haltung – und aus dem Mut, Dinge einfach auszuprobieren.
Was guten Unterricht prägt: Menschen statt Methoden
Zu Beginn der Folge blickt Sara auf ihre eigene Schulzeit zurück. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr nicht Unterrichtsmethoden oder Lehrbücher, sondern einzelne Lehrer*innenpersönlichkeiten: Menschen, die begeistert haben, die Vertrauen geschenkt und Freiräume eröffnet haben.
Diese Erfahrungen bilden bis heute die Grundlage ihres eigenen Unterrichtsverständnisses. Guter Unterricht, so Sara, entsteht dort, wo Lehrkräfte als Menschen sichtbar werden – mit Begeisterung, Anspruch, Humor und echtem Interesse an den Schüler*innen.
Unterrichten heißt reagieren – nicht nur vorbereiten
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist Saras sehr ehrlicher Blick auf den Schulalltag. Sie spricht offen darüber, dass nicht jeder Tag gelingt, dass Lehrkräfte auch schlechte Laune haben dürfen und dass Unterricht nicht immer planbar ist.
Statt starr an vorbereiteten Stundenentwürfen festzuhalten, geht sie bewusst situationsbezogen vor: Sie beobachtet, wie die Klasse ankommt, welche Energie im Raum ist und was die Schüler*innen gerade beschäftigt. Daraus entwickelt sich der Unterricht oft erst im Moment.
Diese Form des adaptiven Unterrichts bedeutet nicht Beliebigkeit – sondern ein ernsthaftes Eingehen auf die Lernvoraussetzungen der Schüler*innen.
Scheitern als Lernchance – auch für Lehrkräfte
Besonders kritisch blickt Sara auf die Lehrkräfteausbildung. Dort werde häufig Perfektion erwartet, während Unsicherheit, Zweifel oder Kurswechsel kaum Platz hätten. Dabei seien genau diese Momente wertvolle Lerngelegenheiten.
Im Podcast macht sie deutlich:
Wenn Lehrkräfte sich selbst Fehler eingestehen können, entsteht eine echte Fehlerkultur – glaubwürdig und wirksam. Schüler*innen erleben dann, dass Lernen kein linearer Prozess ist, sondern ein Weg mit Umwegen.
Studio Digital: Projektarbeit mit echter Wirkung
Ein Highlight der Folge ist das Projekt Studio Digital, das Sara gemeinsam mit ihren Schülerinnen entwickelt hat. Entstanden ist eine digitale Plattform zur Kunstvermittlung, die in Kooperation mit Museen und externen Partnerinnen umgesetzt wurde.
Besonders daran ist nicht nur das digitale Format, sondern die Haltung dahinter:
Schüler*innen entscheiden mit, entwickeln Inhalte selbst, geben sich Feedback über Jahrgangsstufen hinweg und erleben, dass ihre Arbeit sichtbar und relevant ist.
Dass das Projekt sogar für den Grimme Online Award nominiert wurde, zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in projekt- und praxisorientiertem Lernen steckt.
Zwischen Einzelkämpfertum und Kooperation
Sara beschreibt sich selbst als „Einzelkämpferin“ – nicht aus Überzeugung, sondern aus struktureller Notwendigkeit. Der Schulalltag lässt oft wenig Raum für echte Kooperation: fehlende Zeitfenster, starre Stundenpläne und hohe Belastung erschweren gemeinsames Arbeiten.
Gleichzeitig macht sie deutlich, wie bereichernd Zusammenarbeit sein kann – besonders mit externen Partner*innen aus Kunst, Kultur oder Theater. Neue Perspektiven, Reibung und Austausch führen häufig zu besonders intensiven Lernprozessen – für alle Beteiligten.
Bildung als Frage der Gerechtigkeit
Was Sara antreibt, ist eine klare humanistische Haltung. Sie spricht darüber, wie wichtig ihr Teilhabe, Bildungsgerechtigkeit und der bewusste Umgang mit Privilegien sind. Bildung versteht sie nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung für gesellschaftliche Mitgestaltung.
Diese Haltung zieht sich durch ihren Unterricht ebenso wie durch ihr politisches Engagement: Schule soll junge Menschen befähigen, sich einzubringen, kritisch zu denken und Verantwortung zu übernehmen.
„Macht doch einfach, worauf ihr Lust habt.“
Am Ende der Folge formuliert Sara ihren vielleicht wichtigsten Rat an Lehrkräfte: Mutig sein. Dinge ausprobieren. Nicht darauf warten, bis alles perfekt ist.
Denn guter Unterricht entsteht nicht durch starre Konzepte – sondern durch Menschen, die Lust haben, Räume zu öffnen und gemeinsam mit Schüler*innen zu lernen.
Eine Folge für alle, die Unterricht lebendig, menschlich und wirksam gestalten wollen – unbedingt reinhören!



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