In der allerersten Folge von PUZZLE begrüßen Hannah und Hannah ihre erste Gästin: Dr. Karin Oechslein. Sie war Lehrerin für Deutsch, Französisch und Spanisch, leitete das Gymnasium Oberhaching, war Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Oberbayern West und schließlich Direktorin des Bayerischen Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB). Seit Jahren ist sie außerdem in der Jury des Deutschen Schulpreises aktiv – und teilt in diesem Gespräch ihren ungebrochenen Optimismus für das Bildungssystem.

Was ist der Deutsche Schulpreis – und wer kann mitmachen?

Wer sich fragt, was hinter dem Deutschen Schulpreis steckt, bekommt von Dr. Oechslein einen klaren Überblick: Die Robert-Bosch-Stiftung schreibt diesen bundesweiten Preis jährlich aus. Schulen aller Schularten bewerben sich auf zehn Seiten und beantworten dabei Fragen zu sechs Qualitätsbereichen – im Mittelpunkt steht die Unterrichtsqualität. Eine Jury aus Wissenschaft und Praxis wählt die 20 besten Schulen aus, besucht sie persönlich und nominiert schließlich 15 für die Preisverleihung in Berlin. Der erste Preis ist mit 100.000 Euro dotiert, doch Dr. Oechslein betont immer wieder: Das Geld ist nicht das Wichtigste. Viel wertvoller ist die Erfahrung der eigenen Reflexion – und das Netzwerk, das danach entsteht.

Und wer glaubt, der Preis sei nur etwas für privilegierte Vorzeigescbulen: Dr. Oechslein widerspricht energisch. Als Beispiel nennt sie eine Berliner Schule aus einem schwierigen Stadtteil, die durch herausragende Methoden überzeugte – und über die sogar ein Film gedreht wurde. Die sogenannte „Berlin Rebel School” zeigt eindrücklich, dass innovative Schulentwicklung keine Frage des Budgets oder des Einzugsgebiets ist.

Unterrichtsqualität als Herzstück

Ein kleines nicht-repräsentatives Umfrage-Experiment der beiden Hannahs ergab: Lehrkräfte und Referendarinnen in ihrem Umfeld halten die Schule als lernende Institution für den wichtigsten Qualitätsbereich des Deutschen Schulpreises. Die Jury setzt hingegen den Fokus auf Unterrichtsqualität – und Dr. Oechslein erklärt warum: Bei Schulbesuchen stellte die Jury fest, dass viele Schulen in Sachen Organisation und Schulentwicklung gut aufgestellt waren, im Unterricht selbst aber noch veraltete Methoden vorherrschten. Frontalunterricht, Tageslichtprojektor, kaum Schüleraktivierung. Das war der Auslöser, Unterrichtsqualität ins Zentrum zu rücken. Und Digitalisierung? Steckt in jedem der sechs Kriterien als Unterkriterium drin – wer da wenig vorweisen kann, scheidet früh aus.

Modus 21: Wenn Schulen die Schulordnung überschreiten dürfen

Ein zweites großes Thema der Folge ist das bayerische Schulentwicklungsprogramm Modus 21 – kurz für „Modell, Unternehmen, Schule im 21. Jahrhundert”. Seit 2006 konnten sich Schulen bewerben, um unter bestimmten Bedingungen von der Schulordnung abzuweichen und eigene Lösungen zu erproben. Dr. Oechslein erzählt von der Lateinfachschaft an ihrer eigenen Schule, die klassische Schulaufgaben durch zwölf kleinere Tests ersetzte – mit dem Ergebnis, dass Schülerinnen und Schüler kontinuierlicher Feedback bekamen und einzelne schlechte Noten weniger ins Gewicht fielen. Besonders erfolgreiche Modus-21-Maßnahmen wurden evaluiert und sind heute als Anhang in der Schulordnung verankert – und stehen damit allen bayerischen Schulen offen, unabhängig davon, ob sie damals am Programm teilgenommen haben. Eine Gesamtkonferenzbeschluss ist nötig – aber der Spielraum ist größer, als viele ahnen.

Veränderung braucht Mut – und Neugier

Was hindert Lehrkräfte daran, Veränderungsprozesse anzustoßen? Dr. Oechslein bringt es auf den Punkt: Menschen lieben das Beständige. „Nobody likes change except a wet baby.” Wer Unterricht wirklich weiterentwickeln möchte, braucht Flexibilität, Neugier – und die Bereitschaft, den Ordner auch mal wegzuwerfen. Besonders wichtig ist ihr dabei das Miteinander: Einzelkämpfertum bringt wenig. Wer hingegen im Team an einem gemeinsamen Schwerpunktthema arbeitet – etwa an schüleraktivierenden Methoden – und dabei das Kollegium mitnimmt, kann echte Veränderung anstoßen.

Das Kultusministerium: Bremse oder Partner?

Oft wird dem bayerischen Kultusministerium Veränderungsresistenz vorgeworfen. Dr. Oechslein sieht das aus eigener Erfahrung anders: In allen ihren Rollen – als Schulleiterin, Ministerialbeauftragte und ISB-Direktorin – hat sie das Ministerium als unterstützend und mutmachend erlebt. Ihr Rat: nicht gegen Strukturen ankämpfen, sondern gezielt Verbündete suchen. „Sagen Sie mir das Problem. Wir suchen eine Lösung und finden dann den Paragrafen, der dazu passt.” Veränderung im System ist möglich – wenn man weiß, wie man sie angeht.

Dr. Oechslein schließt mit einem Satz, der die ganze Folge zusammenfasst: „Mir macht Hoffnung, dass viele Persönlichkeiten auf dem Weg sind, Innovationen vorwärtszubringen und den Mut haben, Dinge zu verändern.” Dieser Optimismus trägt – und er steckt an. Hör’ doch mal rein!

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Wer wir sind

Wir sind Hannah und Hannah, zwei Lehrerinnen an Gymnasien in Oberbayern für die Fächer Deutsch und Englisch bzw. Englisch und Sport. Mit Themen aus den Bereichen Bildung und Schulentwicklung beschäftigen wir uns schon seit Jahren. 

Die Möglichkeit hierzu hatten wir durch ein Stipendium für Studierende der Lehrämter (Studienkolleg der Stiftung der deutschen Wirtschaft), in dessen Rahmen wir während des Studiums Seminare und Workshops zu den Themen besuchen durften.

Gemeinsam mit PUZZLE e.V. wollen wir die guten Ideen, die es zu Schule gibt, mit Euch teilen.

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