1.2 – Beate Sitek, wie werden gute Lehrkräfte ausgebildet?

In dieser Folge von PUZZLE begrüßen Hannah und Hannah Beate Sitek – eine Frau mit ungewöhnlich breiter Erfahrung im bayerischen Schulsystem. Sie war Gymnasiallehrerin für Englisch, Ethik und Psychologie, staatliche Schulpsychologin, Schulleiterin an zwei Gymnasien mit Studienseminar und zentrale Fachberaterin für die Seminarausbildung in Bayern. Heute gibt sie als Coach und Workshopleiterin Impulse zu Themen wie Führung im Team, Frauen in Führungspositionen und strategische Schulentwicklung – unter anderem für die Schilfakademie. Was ihr dabei immer wichtig war und geblieben ist: Schüler*innen in den Mittelpunkt zu stellen und echte Eigenverantwortung zu ermöglichen.

Was ist eigentlich die Seminarausbildung – und wie wird ihre Qualität gesichert?

Wer nicht weiß, was ein Studienseminar ist oder wie die Lehrerausbildung in Bayern funktioniert, bekommt in dieser Folge einen fundierten Einblick. Beate Sitek erklärt, was eine zentrale Fachberaterin tut: Sie koordiniert über ganz Bayern verteilt die Seminarausbildung in einem Fach – in ihrem Fall Schulrecht und Schulkunde – und ist Ansprechpartnerin für bis zu 80 Seminarvorstände. Das klingt groß, und das ist es auch. Die Instrumente dafür sind überschaubar: jährliche Berichte, zwei- bis dreitägige Dienstbesprechungen in Dillingen und gelegentliche Treffen der zentralen Fachberaterinnen und -berater untereinander. Kontinuität ist da strukturell schwer herzustellen. Trotzdem beschreibt Beate Sitek das Ministerium als ernsthaften Partner, der Rückmeldungen der Referendarsvertretung aufnimmt und nachfragt – auch wenn die Konsequenzen nicht immer unmittelbar spürbar sind.

Das Referendariat: Horrorgeschichten vs. Wirklichkeit

Schon im Studium kursieren die Schreckensmeldungen über das Referendariat. Gleichzeitig benennt sie klar, was das Referendariat strukturell belastet: Man ist nie völlig frei von Beobachtung, steht unter permanentem Leistungsdruck und muss sich gleichzeitig vor zu viel Nähe zu Ausbilder*innen schützen – und die Ausbilder*innen vor zu viel Nähe. Dieses Spannungsfeld ist systembedingt. Ihr Rat: Das zunächst einmal als solches anerkennen und nicht persönlich nehmen. Und dann: Initiative ergreifen. Denn wer Räume schafft, bekommt sie auch – das hat sie selbst erlebt und als Seminarlehrerin immer wieder beobachtet.

Darüber hinaus empfiehlt sie Supervision – auch schon im Studium – als psychohygienische Maßnahme und Instrument der Qualitätsentwicklung.

Was Schulen von Referendar*innen lernen können

Eine der provokantesten Fragen der Folge: Können Schulen überhaupt von Referendar*innen lernen? Beate Sitek sagt klar: Ja. Und zwar nicht aus Naivität, sondern weil frische Perspektiven und aktuelles Universitätswissen echten Mehrwert haben. Als Seminarlehrerin hat sie gezielt Fachsitzungen genutzt, um Referendar*innen zu fragen, was sie aus dem Studium mitbringen. Als Schulleiterin hat sie Kleingruppenarbeit in Konferenzen eingeführt und junge Lehrkräfte darin eingebunden. Seminarschulen, so ihr Fazit, sollten diesen Vorteil bewusst ausnutzen – statt ihn ungenutzt zu lassen.

Erweiterte Schulleitung und konfluente Führung: Was steckt dahinter?

Ein zentrales Thema der Folge ist die erweiterte Schulleitung – ein Begriff, der in vielen Schulen existiert, aber nicht immer verstanden wird. Beate Sitek erklärt die Entstehung: Der Modellversuch Modus F wurde von der Stiftung Bildungspakt Bayern initiiert, um hohe Führungsspannen von bis zu 1:150 zu reduzieren. Mit einer erweiterten Schulleitung soll auf 14 Lehrkräfte eine Führungsperson kommen. Funktionsträger*innen und Funktionsträger wie Fachschaftsleiter*innen oder Seminarleitungen können sich für die erweiterte Schulleitung bewerben und übernehmen dann echte Personalverantwortung – keine reine Verwaltung mehr.

Ob das funktioniert, hängt laut Beate Sitek fast vollständig von der Schulleitung ab. Der Schlüsselbegriff, den sie dafür einführt: konfluente Führung. Gemeint ist ein Geflecht aus verteilter Führung, Co-Management und Prozesssteuerung – kein Top-Down mehr, sondern ein Schulleitungsteam, das gemeinsam gestaltet. „Schulleitung” statt „Direktorat” – das ist nicht nur ein semantischer Unterschied, sondern ein Haltungsfrage.

Fortbildung: Wer zahlt – und wer profitiert?

Beate Sitek arbeitet heute unter anderem für die Schilfakademie, ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das Referent*innen an Schulen vermittelt – für Teamentwicklung, Kommunikationstraining oder Konfliktlösung. Das Problem: Die Preise sind für die meisten bayerischen Schulen ohne Sonderbudget nicht realistisch. Beate Siteks Lösung als Schulleiterin war pragmatisch: Sie kämpfte nicht um mehr Geld, sondern passte die Fortbildungsformate dem vorhandenen Budget an. Irgendwann übernahm das Team selbst die Leitung der Klausurtage – in einfachen Selbstversorgerhäusern, aber mit echtem Inhalt. Und heute bietet sie ihre Expertise selbst für 200 Euro pro halben Tag an, weit unter Marktpreis – weil es ihr um Wirkung geht, nicht um Verdienst.

Ihr Geheimnis gegen Frustration? Selbstwirksamkeit. Sie hat immer Freiräume gesucht – und fast immer welche gefunden. Wer das Miteinander sucht statt des Gegeneinanders, wer Unterstützerinnen und Unterstützer findet und gestalten kann statt nur zu verwalten, der bleibt motiviert. Das, so Beate Sitek, ist keine Frage des Glücks allein – aber ein bisschen Glück gehört auch dazu. Hör’ doch mal rein!

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Wer wir sind

Wir sind Hannah und Hannah, zwei Lehrerinnen an Gymnasien in Oberbayern für die Fächer Deutsch und Englisch bzw. Englisch und Sport. Mit Themen aus den Bereichen Bildung und Schulentwicklung beschäftigen wir uns schon seit Jahren. 

Die Möglichkeit hierzu hatten wir durch ein Stipendium für Studierende der Lehrämter (Studienkolleg der Stiftung der deutschen Wirtschaft), in dessen Rahmen wir während des Studiums Seminare und Workshops zu den Themen besuchen durften.

Gemeinsam mit PUZZLE e.V. wollen wir die guten Ideen, die es zu Schule gibt, mit Euch teilen.

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