
Schulentwicklung geht auch anders – und zwar gemeinsam, auf Augenhöhe und bottom-up. In der aktuellen Folge von PUZZLE nehmen uns Hannah und Hannah mit in die Welt des Schulnetzwerks Blick über den Zaun (BÜZ). Gemeinsam mit den beiden Bildungsexpertinnen Dr. Franziska Carl und Dr. Maren Plaum geht es um Peer Reviews, gelebte Kooperation und das, was wirklich gute Schule ausmacht. Dass hierbei natürlich auch Herausforderungen zu bewältigen sind, soll nicht verschwiegen werden. In unserem Gespräch fokussieren wir uns aber auf das, was funktioniert – und warum!
Was ist Blick über den Zaun?
Blick über den Zaun ist eines der ältesten Schulnetzwerke Deutschlands – gegründet am 9. November 1989, also am Tag des Mauerfalls. Was mit 15 reformpädagogisch orientierten Schulen begann, ist heute ein Netzwerk von rund 130 Schulen aus ganz Deutschland (plus einer Schule in der Schweiz). Das Ziel: Schulen unterstützen sich gegenseitig bei ihrer Entwicklung – auf Augenhöhe, mit Vertrauen und gemeinsamen Werten.
Schulentwicklung bottom-up: Gemeinsam statt verordnet
Was Blick über den Zaun besonders macht: Die Initiative kommt von den Schulen selbst – nicht vom Ministerium, nicht von oben. Die Mitglieder investieren Zeit, Geld und Engagement, ohne dass externe Mittel fließen. „Das ist ein echter Mehraufwand für die Schulen – aber eben auch ein echter Gewinn“, sagt Dr. Carl. Wer Mitglied wird, will etwas verändern – und tut das im Verbund mit anderen Schulen, die ähnliche Werte teilen.
Zentrale Grundlage dafür ist das Leitbild des Netzwerks. Es formuliert unter anderem:
- Dem Einzelnen gerecht werden
- Das andere Lernen fördern
- Schule als Gemeinschaft verstehen
- Schule als lernende Organisation entwickeln
Ergänzt wird das durch konkrete Standards, die auf drei Ebenen formuliert sind: das pädagogische Handeln einzelner Lehrkräfte, die schulischen Rahmenbedingungen und die systemischen Voraussetzungen.
Peer Reviews: Feedback auf Augenhöhe
Ein zentrales Element des Netzwerks sind die sogenannten Peer Reviews – kollegiale Schulbesuche, bei denen Vertreter:innen anderer Schulen eine Schule drei Tage lang besuchen, hospitieren, Interviews führen und schließlich Rückmeldung geben. Nicht als Kontrolle von außen, sondern als „kritische Freunde“.
Was das besonders macht:
- Die Schule bestimmt selbst, worauf der Fokus liegt – über einen sogenannten Beobachtungsauftrag.
- Die Rückmeldung erfolgt dialogisch und ist bewusst impulsgebend, nicht bewertend.
- Die Reviews sind Teil einer kontinuierlichen Entwicklungsarbeit, die im Netzwerk verankert ist.
- Rückfragen beim nächsten Treffen sorgen für eine gewisse Verbindlichkeit – ohne Druck, aber mit echter Relevanz.
Für Dr. Plaum, die ihre Dissertation über die Peer Reviews im BÜZ geschrieben hat, war besonders eindrücklich, wie engagiert und begeistert die Beteiligten an diesen Prozessen arbeiten: „Das war wie ein produktives Klassentreffen. Viel Austausch, viel Arbeit, viel Freude.“
Standards, die man auch ohne Netzwerk nutzen kann
Auch wer (noch) nicht Teil des Netzwerks ist, kann von der Arbeit des Schulverbunds profitieren. Die Standards und das Leitbild sind öffentlich zugänglich – und können als Reflexionshilfe für den eigenen Unterricht oder das Schulentwicklungsteam genutzt werden.
Ein Beispiel: Der Standard „Fachliches Lernen geschieht an kulturell und individuell bedeutsamen Gegenständen“. Klingt einfach – ist in der Praxis aber eine echte Einladung zur Selbstreflexion. Was bedeutet „kulturell bedeutsam“ – und für wen? Wie individuell relevant ist mein Lernstoff für die Schüler:innen wirklich?
Warum das Schule machen sollte
Was diese Podcastfolge so motivierend macht: Sie zeigt, dass Veränderung in der Schule möglich ist – wenn sie gewollt, getragen und gemeinsam gestaltet wird. Ob als Lehrkraft, in der Schulleitung oder als Teil eines Schulentwicklungsteams: Wer Schule besser machen möchte, findet hier Inspiration und konkrete Anknüpfungspunkte.
Wer Interesse hat, Teil des Netzwerks zu werden, kann sich direkt an Dr. Franziska Carl wenden. Wichtig: Eine neue Mitgliedschaft sollte von der ganzen Schulgemeinschaft getragen werden – besonders von der Schulleitung. Denn Peer Reviews und Netzwerktreffen bedeuten nicht nur Austausch, sondern auch Ressourcen und Zeit.
Fazit: Bildung gemeinsam weiterdenken
Die Podcastfolge mit Dr. Carl und Dr. Plaum ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Schulentwicklung gelingen kann – aus der Praxis, für die Praxis und mit echter Zusammenarbeit. Statt standardisierter Evaluationen gibt es hier ehrliches Feedback. Statt top-down-Reformen: echte Eigeninitiative.
Wer also auf der Suche ist nach frischen Impulsen für die eigene Schule, wird in dieser Folge fündig – und bekommt gleich noch Lust, selbst Teil einer größeren Bildungsbewegung zu werden.


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